Mittwoch, 14. Januar 2009

Japan, Streets of Osaka

Auf meinem täglichen Weg zum Büro bin ich gezwungen, über den Campus der Universität Osaka zu fahren. Zum Zentrum dieses Campus' führen zahlreiche Fahrradwege und eine (!) Strasse, die mit einem sogenannten Wendehammer endet. Unmittelbar vor dem Wendehammer steht ein Kran, mit dessen Hilfe des Bibliotheksgebäude renoviert und erweitert wird. Dieses Werkzeug der Baufirma sorgt dafür, dass die Strasse nur noch einspurig. ist - für vielleicht 25 m.
Der Wendehammer wird, nach meinen bisherigen Beobachtungen, lediglich von einem Bus benutzt, der diesen Campus mit einem anderen in der Stadt verbindet, aber natürlich auch von Fahrradfahrern und Fussgängern.
Was haben die lieben Japaner getan? Sie haben eine Ampelanlage aufgestellt, die den Bus-Verkehrsfluss (?) regeln soll. Super Idee, von prinzipieller Natur aus behindert sie aber den Fluss, kann und darf man doch als Radfahrer auch die Bürgersteige nutzen (ist hier erlaubt!).
Wer als Abonnent dieser Kolumne bis jetzt eine Idee von Japan bekommen hat, der könnte erwarten, dass das noch nicht alles ist. Richtig, denn an beiden Ampeln, die vielleicht 25 m auseinanderstehen, ist je ein "Security Man" postiert, der, mit einem blinkenden Stab (das dem aus Star Wars bekannten Lichtschwert erschreckend ähnlich sieht) bewaffnet, in das Regelverhalten der Ampel eingreift.
Die Folge (wenn man denn tatsächlich die Strasse befährt): Trotz Rotlichts seitens der Ampel kann der "Security Man" die Aufforderung zum Fahren geben - und diese Aufforderung ist als Anweisung zu verstehen! Versucht der pflichtbewusste Fahrradfahrer die Grünphase abzuwarten, erwartet ihn das Lichtschwert...
Ich nehme seither den Bürgersteig.
PS: So eine schnelle Reaktion hätte ich nicht für möglich gehalten: In dem Moment des Schreibens dieser Zeilen wurde die Ampelanlage demontiert und die Security men wurden nach Hause geschickt und der Fluss kann unterhindert fließen...

Japan, Lock

Japan ist schon ein witziges Fleckchen Erde. Nur zu gerne würde ich wissen wollen, was Japaner denken, wenn sie mich tatsächlich wahrnehmen. Zumindestens manchmal blitzt es für einen winzigen Augenblick auf...
Gestern, als ich auf dem Weg zum Bahnhof war, nahm mich tatsächlich ein Japaner war. Erst dachte ich, er sei besoffen, denn er ging mitten auf der Straße. Schnell bemerkte ich, dass dieser Herr ein unglaubliches Selbstbewusstsein hatte. Er hielt mich an!
"Hey, I'm Isu, where you're from?"
Ich versuchte ihm zu erklären.
"Ah, Europe. What is your favolite Lock-band?"
So, der anstandslose, ungebildete, unsittenhafte Ureinwohner des Archipels namens Europa kurz vorm Ende der Welt ist ergo von prinzipieller Natur aus ein Rockfan?
Nun gut, dieses Klischee bediene ich gerne.
"Ever?" meine Nachfrage.
"Ever!"
Darauf gibt es natürlich nur eine Antwort.
"I become a Lock-star!" rief er, juchzend.
Obgleich ich hier als Botschafter der anstandslosen, ungebildeten, unsittenhaften Ureinwohner Europas gelte, eines ist mir bewusst: Für einen guten grundehrlichen Rocksound bedarf es natürlich einer Stromgitarre. Ich versuchte eine Nachfrage.
"Is it a guitare in your backpack?"
Verstört schaute er mir in meine Augen.
"No! It is a mini PC! CY!" und schritt, scheinbar empört, fort.
Na denn, "good lock!"

Sonntag, 11. Januar 2009

Japan, Asiavision

Vor ein paar Tagen erreichte mich eine Zuschrift, die mehr einer Anklageschrift ob der Niveaulosigkeit im deutschen Sylversterfernsehprogramm gleichkam. Die üblichen Verdächtigen, wie das "Sylversterstadl", wurden hier als Speerspitze des Abgrundes deutscher Fernsehkultur genannt.
Am ersten Tage des neuen Jahres hatte ich die Gelegenheit, Zeuge der japanischen Televionsgepflogenheiten zu werden. Ganz ehrlich: Das ist jenseits von europäischen Maßstäben!
Die untersuchte Sendung hatte eine Dauer von mindestens zwölf Stunden, nicht gefühlt, sondern tatsächlich - wobei der rote Faden nicht immer ganz klar ersichtlich war. Das es sich um ein- und dieselbe Sendung handelte, mache ich an zwei Gegebenheiten fest:
1. Das Moderatorentrio (!), eine Frau und zwei Männer, waren den ganzen Tag über identisch.
2. Auftretende Künstler blieben die ganze Zeit erhalten und wirkten sogar einige Zeit später wieder mit - in welcher Form auch immer.
Wesentlicher Bestandteil waren japanische Stand-Up-Comedians - die es hier wohl wie Sand am Meer gibt. Wann gelacht werden muss, war selbst für mich einsehbar: Jeder Joke wurde mit einer s.g. Kopfnuss quittertiert, praktisch, denn es wird offensichtlich, wann und über wen gelacht werden muss! Nur, nach zwei Stunden geht einem das auf die Nerven, nach zwölf Stunden ganz zu schweigen...
Natürlich bleibt über die Dauer von zwölf Stunden Zeit, Vor- und Nachgeschichte dieser Gentlemen ganz im Stile moderner TV-Shows zu klären. Am exzessivsten betrieben wurden das bei einem Oktett von "Zauber-Künstler" - in der Summe waren es 180 min.
Erheiternd waren die Einlagen von Extremkünstlern, die noch extremere Aufgaben, als jene, die in den Rückblenden erzählt wurden, bewältigen musten! Als Beispiel sei hier ein Bogenschütze genannt, der Kerzen mit seinem Pfeil ausknipsen oder einen fallenden Apfel und gleichzeitig die Mitte der Scheibe treffen sollte. Dafür wurde ihm ganz im Gegensatz zu "Wetten daß"-Manier eine nicht beschränkte Anzahl von Versuchen gewährt...
Vergeblich wartete ich auf schlecht performte Playbackeinlagen. Die einzig gewährten Verschnaufpausen bildeten "Hello Kitty" Werbeblöcke.
Wer mir noch einmal sagt, das "Sylvesterstadl" sei schrecklich, dem hau' ich eine...

Freitag, 9. Januar 2009

Japan, Kinderfeindlichkeit


Sollte jemals eine Liste über besondere Eigenschaften der Menschheit angefertigt werden, so sollte auch der Punkt der Neugier Erwähnung finden. Neugier, was wären wir ohne sie? Amerika wäre immer noch nicht entdeckt, das Rad würden wir nicht kennen, das Feuer würde noch immer ein Werkzeug des Himmels sein - doch gut ist, wenn man schließlich, rechtzeitig zu den Simpsons, wieder zu Hause ist.
Falls es dem aufmerksamen Leser entgangen sein sollte - nur um meine Reise richtig einzuordnen - entdecke ich gerade, mehr für mich als weniger für die Zivilisation, Japanesien. Heute morgen schließlich ist meiner Wenigkeit bewusst geworden, was ich aus Europa wirklich vermisse: Kinderriegel. Man stelle sich vor: Es gibt in Japan keine Kinderriegel!
Schon fast bin ich geneigt zu sagen, der Grund, warum Japan immer tiefer in den Strudel der Finanzkrise hineingerät, sind die fehlenden KinderRiegel. WIE SOLL MAN DENN SO ARBEITEN KÖNNEN, Kinder? Seit Tagen irre ich umher, durchforste die vorzüglichsten Süßigkeitenläden - und es gibt wirklich, wirklich richtig leckere japanische Süßigkeiten - doch nichts kann den Kinderriegel ersetzen.
Wer auch immer mir bei meiner Rückkehr einen Riegel reichen wird, den werde verklären bis zum meinem Ende...

Dienstag, 6. Januar 2009

Japan, erstes Mal

Das war der Wahnsinn! Soetwas ist mir zurvor noch nie wiederfahren! Ich meine, dass ist schon ein ziemlich überwältigendes Gefühl - und ich bin immernoch etwas echauffiert! Da liegt man gemütlich und kuschelig im Bett danieder und dann das! Erst ein ganz seichtes vibrieren, kaum merklich, dann das ganze Haus, die Türen, das Geschirr, alles zittert - im nächsten Moment: Totenstille.
Ja, das war es: Mein erstes Erdbeben. Die Statistiker haben Recht behalten. Deren Prognose besagt, dass durchschnittlich alle zwei Wochen Japan durch ein spürbares Erdbeben erschüttert wird. Gut, ich glaube, ich brauche das nicht dauernd, mal war es ganz nett...
Auf jeden Fall werde ich beim nächsten Beben versuchen, ein Bild zu machen!

Mittwoch, 31. Dezember 2008

Japan, Gipfel

Das Japan ein Land ist, in dem Regeln groß und vor allen Dingen überall geschrieben stehen, dass dürfte dem geneigten Leser mittlerweile klar geworden sein. Ebenso den vielen japanischen Endnutzer. Das Aushängen von Regeln und Hinweisen scheint nur nicht mehr so ganz der Beachtung - und noch schlimmer, der Befolgung - beizutragen. Also wird zur Ermunterung der müden Gefolgschaft ein neues Modell zum Tragen kommen müssen. Sicherlich wäre hier das Einbringen von Farbe durchaus eine gangbare Methode gewesen. Wer aber Japan aus zahlreichen Klischees kennt, der weiß, das an Farbe hier zu allerletzt gespart wird und so auch nicht wirklich zur Beachtung beiträgt. Was also tun?
Richtig, die Angelegenheit wird einfach auf ein breiteres Fundament gestellt. Der Rahmen, in dem sich das Handeln bewegt, wird schlicht um schlicht in einfachen Lettern dargestellt. Denn bekanntermaßen kann schon das Flügelschlagen einer Mücke im Dschungel Sumatras Einfluss auf das Weltklima haben.
Damit wird aus dem einfachen Hinweis auf einem WC, es solle doch bitte das Licht ausgeschaltet werden, das hier:
Mit diesen Aussichten wünsche ich allen einen guten Rutsch und alles Gute für 2oo9.

Sonntag, 21. Dezember 2008

Japan, Würze

Wie heißt es doch so schön: "Die kleinen Dinge machen die Würze"?! In der Tat, und obwohl dieser Eintrag passender in der Rubrik Sprichwörter untergebracht wäre, wage ich an dieser die Veröffentlich neuer, intimer Details aus meinem täglichen japanischen Leben.
Tatsächlich bin ich bislang völlig ahnungslos durch die Welt getapst! Immer mehr kommen mir Zweifel auf, wie unsere europäische Kultur überhaupt aus den ihren Höhlen heraus kommen konnte, da wir doch,  gelinde gesagt, überhaupt keinen Plan vom Leben ha(b/tt)en.
In Japan wäre es wohl ähnlich verlaufen, wenn nicht überall die dezenten Hinweise angebracht wären, wie das Leben gelebt werden darf respektive soll. Watch this:
Entscheidend ist aber die Erkenntnis, dass wir es auch hier mit einem Huhn, einem Ei und schließlich der Würze zu tun haben. Die Frage der Stunde: Wer ist eigentlich als erster Japaner aus der Höhle gekrochen und hat die ganzen Schilder aufgehängt, denen die Anderen folgen konnten? Der hatte doch auch keinen Plan - oder?